Warum ist das Bargeld so wichtig für deutsche KMUs?

Warum ist das Bargeld so wichtig für deutsche KMUs?

Bargeld KMUs

KMUs machen die überwiegende Mehrheit der Unternehmen in Deutschland aus. Angesichts der Bedeutung dieser Unternehmen für die deutsche Wirtschaft sollte deutlich mehr unternommen werden, um ihr Wachstum zu fördern.

Der Zugang zu Bargeld und zu Bankfilialen ist für den Erfolg von KMUs entscheidend. Die drei Hauptgründe dafür sind die Kundennachfrage, die Kosten im Zusammenhang mit Kartenzahlungssystemen und die von den Bankfilialen angebotenen Dienstleistungen.

Laut Bundesverband der deutschen Banken sinkt die Zahl der Geldautomaten in Deutschland weiter. Dazu kommt, dass sich auch die Anzahl von Bankfilialen verringert – das trifft KMUs hart. Es kommt nicht selten vor, dass ganzen Gemeinden das Bargeld ausgeht, was für KMUs bei ihrer täglichen Geschäftstätigkeit Probleme und Verkaufsausfälle verursacht.

Die Bedeutung von Bargeld und Bankfilialen für den fortwährenden Erfolg von KMUs

Kundennachfrage nach Bargeld

Viele Verbraucher zahlen noch gerne mit Bargeld oder sind auf Bargeldzahlungen angewiesen. Dazu zählen etwa ärmere Menschen, die mit Bargeld leichter den Überblick über ihr Budget behalten, Handwerker, die oft in bar bezahlt werden, und Menschen ohne Bankkonto.

Laut dem Einzelhandelsinstitut EHI ist Barzahlung nach wie vor die am häufigsten verwendete Zahlungsmethode in Deutschland. Dies bedeutet, dass KMUs dieser Nachfrage nachkommen müssen oder das Risiko eines Verlusts eingehen. Bankfilialen sind ebenfalls wichtig, da Geschäftsinhaber einen Ort in der Nähe benötigen, an dem sie regelmäßig Bargeld einzahlen können.

Die Kosten für die Annahme und Abwicklung von Kartenzahlungen

Ein weiterer Grund, warum der Zugang zu Bargeld so wichtig für den Erhalt und Erfolg von KMUs wie Zeitschriften- und Tante-Emma-Läden ist, liegt darin, dass die Infrastruktur für Kartenzahlungen kostspielig sein kann. Wie die Bundesbank in einer aktuellen Studie zu den Kosten der Bargeldzahlung im Einzelhandel feststellt, bedeutet das Akzeptieren von Kartenzahlungen, dass Bearbeitungsgebühren anfallen.

Diese Gebühren fallen einschließlich der Grundtarife für die Verarbeitung einzelner Transaktionen an und enthalten Prämiengebühren für Transaktionsabwicklungen über dem Grundtarif sowie Gebühren für die Zahlungsautorisierung anfallen. Die Bundesbank stellt weiter fest, dass Unternehmen in Deutschland jede Kartenzahlung im Durchschnitt 1,02 Euro kostet. Auf den ersten Blick scheint das nicht viel zu sein, aber es summiert sich und schmälert die möglicherweise ohnehin schon geringen Gewinnspannen, sodass Bargeldzahlungen weitaus wirtschaftlicher sein können.

Die Unterstützung, die KMUs für ihren Erfolg benötigen

Darüber hinaus sind Bankfilialen unverzichtbar für KMUs, da sie den Zugang zu einer Vielzahl von Finanzdienstleistungen bieten – von Bareinzahlungen über die Unterstützung bei Darlehen bis hin zur Finanzberatung.

Wie der Vorsitzende des Financial Stability Boards Mike Cherry betont, liegt es im Interesse der Banken, solche Dienstleistungen anzubieten, da so viele KMUs neben dem Zugang zu Dienstleistungen Girokonten wollen. Jedoch können viele KMUs während der normalen Geschäftszeiten nicht auf diese Angebote zugreifen. Das bedeutet, dass sie das Geschäft möglicherweise vorzeitig schließen müssen und Umsatzverluste erleiden.

Wenn zudem ihr Sitz in einem ländlichen oder abgelegenen Gebiet liegt, haben sie womöglich keine Filiale oder Geldautomaten in ihrer Nähe, sodass sie ihr Geschäft für längere Zeit schließen und Zeit und Kosten für die Reise einplanen müssen. In ländlichen Gebieten ansässige Unternehmer können auch einen eingeschränkteren Zugang zu Online-Banking-Diensten haben, sodass die Bankfilialen und ‑automaten vor Ort für die Ausführung ihrer Tätigkeiten absolut entscheidend sind.

Was kann getan werden und wie kann Technologie dabei helfen?

Herausforderung: Der erschwerte Zugang zu Konnektivität und Online Banking in ländlichen Gebieten
Lösung: Banktechnologie in Filialen

Viele Bankdienstleistungen sind online verfügbar, doch für KMUs in ländlichen oder sehr abgelegenen Gemeinden könnten Funklöcher oder mangelnder Breitbandausbau regelmäßig zu Schwierigkeiten bei der Abwicklung von bargeldlosen Zahlungen führen.

Der Zugang zu Bankfilialen ist daher für Unternehmen in ländlichen Gemeinden von großer Bedeutung. Der Einsatz von Technologien wie etwa das Video-Banking außerhalb von Filialen, hat sich in Portugal für die Privatkundenbank Millennium BCP bereits bewährt.

Die Bank kann ihre Kunden auch nach Geschäftsschluss kostengünstig bedienen, indem sich Besucher rund um die Uhr per Videolink mit einem Bankangestellten verbinden können. Neue Softwarelösungen von Auriga erleichtern es Banken, erstklassigen Kundenservice zu bieten und den Zugang zu Dienstleistungen zu verbessern, den KMUs insbesondere in ländlichen und abgelegenen Gebieten benötigen.

Herausforderung: Die Betriebskosten von Geldautomaten bzw. Filialen können für Banken hoch sein.
Lösung: Geschäfte und Supermärkte mit der richtigen Kostenstruktur im Hintergrund könnten zu einer Einnahmequelle für Unternehmen werden, die sich bereits in ländlichen Gegenden befinden.

Der Betrieb von Geldautomaten kann teuer sein, aber Outsourcing- oder Kooperationsmodelle für Bankfilialen und Geldautomaten können dem entgegenwirken. So können sogenannte White-Label-Geldautomaten, die sich nicht im Besitz und Betrieb von Banken befinden, größeren Unternehmen wie Geschäften und Supermärkten zusätzliche Einnahmequellen bieten. Sie erhalten nämlich eine Abwicklungsgebühr von der Bank bei jeder Nutzung des Geldautomaten.

Das Anbieten von Cashback könnte auch die Besucherfrequenz in ländlichen Geschäften erhöhen. Gleichzeitig könnten Verbraucher Zeit und Geld sparen, wenn sie eine Sonderfahrt zu ihrem nächsten Geldautomaten oder ihrer nächsten Bankfiliale unternehmen.

Herausforderung: KMUs wollen über Nacht keine großen Bareinlagen zurücklassen.
Lösung: Banking Hubs für Unternehmen

Bargeldabhängige KMUs müssen ihre Einnahmen am Ende des Arbeitstags und an Sonntagen einzahlen, nachdem die Bankfilialen bereits ihren eigenen Arbeitstag beendet haben.

Banking Hubs, wie sie beispielsweise von NatWest, Lloyds und Barclays in Großbritannien geführt werden, bieten hervorragende Möglichkeiten, um dieses Problem in den Griff zu bekommen. Diese bieten unter anderem sowohl längere Öffnungszeiten als reguläre Filialen, sodass KMUs nach Geschäftsschluss Einzahlungen tätigen können, als auch Bargelddienste, die es Unternehmen ermöglichen, Bargeldabhebungen möglichst komfortabel zu planen.

Banktechnologie wird eine wichtige Rolle spielen

Je schwerer der Zugang zu Bargeld ist, desto mehr steigt der Druck auf KMUs. Der Zugang zu Finanzdienstleistungen ist entscheidend für einen reibungslosen Ablauf von Unternehmen ohne Verkaufsstörungen oder betriebliche Verzögerungen.

Trotz der Herausforderungen, mit denen KMUs konfrontiert sind, werden Banktechnologien in Form von Video-Banking, White-Label-Geldautomaten und Banking Hubs für Unternehmen eine Schlüsselrolle dabei spielen, KMUs beim Wachstum zu unterstützen.

  •  
  •  
  •  
  •  
  •  

Comments are closed.