Bankentrends 2021: Wie sieht die Zukunft der Bankenbranche aus?

Bankentrends 2021: Wie sieht die Zukunft der Bankenbranche aus?

Bankentrends 2021

Es wäre noch untertrieben zu sagen, dass 2020 ein ereignisreiches Jahr war. Wie die letzten zwölf Monate verlaufen sind, und wie groß die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die ganze Wirtschaft, oder ganz konkret auf das Finanzwesen waren, hätte niemand vorhersehen können.

Um sich auf alle möglichen Situationen, die in 2021 entstehen könnten, einstellen zu können, müssen Banken die aktuelle Lage der Branche analysieren.

Wir wollen das neue Jahr mit einem Überblick über die Bankentrends 2021 beginnen, die unserer Meinung nach die Branche in den kommenden Monaten beeinflussen werden.

1. Gemeinsame Nutzung der Geldautomaten-Infrastruktur

Geteilte Geldautomaten-Infrastrukturen sind ein Trend, der in diesem Jahr weiter Aufwind erfahren wird. Das gilt insbesondere, da diese Entwicklung bereits in einigen europäischen Märkten zu beobachten ist.

Bankgeschäfte sind heute besser zugänglich und wettbewerbsintensiver denn je. Angesichts der Herausforderungen, die in diesen Zeiten mit dem Besitz von Geldautomaten und Filialen verbunden sind, wird dieser Trend geteilter Infrastrukturen mit Sicherheit weiter ausgebaut werden.

Viele Banken werden vor diesem Hintergrund außerdem versuchen, durch technologieorientierte Investitionen, Cloud-Migration und die Bündelung von Infrastruktur die in der Bankenbranche anfallenden Kosten zu senken.

Diese Maßnahmen führen zwar nicht immer zu niedrigeren Kosten – Hauptziel ist es aber, den Zugang zu Bankautomaten aufrechtzuerhalten und das Kundenerlebnis zu verbessern.

2. Cashback für alle

Cashback bedeutet, dass Kunden von einem Unternehmen Geld auf ihre Einkäufe zurückbekommen.

Cashback zu erhalten, ohne tatsächlich etwas in einem Laden kaufen zu müssen, bietet einen Lösungsansatz für das Problem des Bargeldzugangs. Die britische Regierung beispielsweise hat einen Plan vorgestellt, wie Kunden Cashback von Einzelhändlern erhalten können, ohne etwas kaufen zu müssen. Auch in Deutschland bieten bereits mehrere Unternehmen wie N26, DKB, und verschiedene Einzelhändler ihren Kunden die Möglichkeit per Smartphone im Geschäft Geld abzuheben, ohne einen Mindesteinkaufswert erfüllen zu müssen.

Dies könnte ein passender Lösungsansatz für abgelegene ländliche Gemeinden sein, in deren Region der Zugang zu Bargeld und die Versorgung mit Geldautomaten ein Problem darstellen. Es besteht die Möglichkeit ein solches Feature sicher weiterzuentwickeln, da es Online- und Offline-Modi umfasst, in denen limitierte Beträge gehandhabt werden können. Dies erhöht die Sicherheit der Kundenkonten.

Die Einführung dieses Services ist jedoch mit Herausforderungen konfrontiert. Für Supermärkte und kleinere Lebensmittelgeschäfte kann es mitunter zu schwierig sein, das Angebot umzusetzen. Vor allem, da die anhaltende Pandemie gerade diese Unternehmen schwer getroffen hat. Der Service hängt außerdem davon ab, dass die Unternehmen selbst Zugang zu Bargeld haben.

Daher ist es wichtig, zu vermeiden, die Verantwortung auf kleine Unternehmen zu verlagern. Das sich stetig verändernde Verhalten der Kunden und die Pandemie üben bereits einigen Druck auf diese aus.

Niedrigere Kosten der Bargeldabwicklung und eine höhere Kundenfrequenz sollten sich als Vorteile für Einzelhändler herauskristallisieren. Denn kleine Läden voller Verbraucher, welche nur aufgrund des Bargelds kommen, und an denen der Einzelhändler nichts verdient, können nicht zur Wiederbelebung der Gemeinden beitragen.

3. Am Gemeinwesen orientierte Initiativen und Remote Banking

Filialschließungen wird es auch 2021 geben. Wir werden aber auch erleben, dass als Reaktion auf den fehlenden Zugang zu Bargeld, mehr am Gemeinwesen orientierte Initiativen entstehen.

Die nächste Generation der Bankfilialen muss deshalb automatisiert, kosteneffizienter, kleiner und rund um die Uhr verfügbar sein.

So können Banken im Vergleich zu alten Filialen mehr Einlagen entgegennehmen, höhere Gewinne erzielen und die Kundenfrequenz steigern. Wenn Transaktionen tagsüber von Personal und nachts von Remote-Servicemitarbeitern überwacht werden würden, könnten Banken günstiger betrieben werden.

Wenn Banken nicht aufpassen, können Kunden schnell zu anderen Unternehmen wechseln. Um das zu vermeiden, und damit sich alte Standorte halten können, muss auf fernzugängliche und rund um die Uhr verfügbare Filialen umgestiegen werden.

Gelingt es Banken nicht intelligente, rund um die Uhr verfügbare und auf Fernunterstützung setzende Filialen einzuführen, ist es durchaus möglich, dass ihnen jemand zuvor kommt. Das kann – entweder über Community-basierte Angebote oder sogar durch unabhängige Geldautomatenanbieter passieren, denn Eigenmarken werden definitiv ein Teil dieser neuen Zukunft sein. Wird dieses Modell angenommen, ist es denkbar, dass wir in Zukunft geteilte Filialen erleben.

Das Kundenerlebnis ist das Herzstück jedes Geschäftsmodells. Zu guter Letzt müssen Banken deshalb einen guten Mix aus Kanälen anbieten. Eine First-in-first-out-Kanalpolitik ist selten die beste Option, um neue Kunden anzuziehen und bestehende Kunden zu binden. Banken müssen jeden Kanal bewerten, den Wert für die Kunden erkennen und eine breite Auswahl anbieten.

Ältere Kanäle wie Telefonbanking sollten nicht die ersten sein, die verschwinden und könnten in dem neuen 24-Stunden-Filialmodell neben Videobanking wieder Aufschwung erleben.

4. Cybersicherheit mit einem umfassenden Ansatz

Die Zahl der Cyberangriffe  wird 2021 weiter steigen. Durch die vermehrt genutzte Remote-Arbeit hatte bereits 2020 laut Malwarebytes jedes fünfte Unternehmen mit Sicherheitsverletzungen zu kämpfen.

Da auch 2021 viele Arbeitnehmer weiterhin von Zuhause arbeiten und teils persönliche Geräte für firmenbezogene Aktivitäten nutzen werden, bleibt das Risiko von Cyberangriffen weiterhin hoch. Dies gilt in allen Branchen gleichermaßen. Für Banken und Finanzinstitute kommen noch weitere Angriffsflächen für Cyber-Attacken hinzu.

So drohen Cyber-Attacken  nicht nur für Transaktionen genutzte, digitale Bankkanäle, sondern auch Geldautomaten. Sie sind aufgrund von überholter Hardware und Software oftmals die größte Schwachstelle in der IT-Sicherheitsinfrastruktur einer Bank.

Mit der zunehmenden Verbreitung von Homeoffice und Telearbeit haben Bankmitarbeiter nur per Fernzugriff Zugang auf ihre Banksysteme. Dieser Bereich offenbart Schwächen, die von Cyber-Kriminellen ausgenutzt werden können. Besondere Cybersicherheitslösungen auf den Computern von Mitarbeitern sind unvermeidbar.

Finanzinstitute müssen sich außerdem auf dem Weg zur Filiale der nächsten Generation selbst noch stärker vor Cyber-Angriffen schützen. So werden Selbstbedienungsautomaten beispielsweise, die vollumfänglich von einem Finanzinstitut kontrolliert und gesichert werden, in der Bank der Zukunft die Schnittstelle zwischen dem Kunden und der Bank darstellen.

Diese Geräte müssen ausreichend geschützt sein, um das Vertrauen der Kunden zu gewinnen. Der Sicherheitsaspekt kann als Abgrenzungsmerkmal zu anderen Kanälen wie online oder mobil, bei denen der Kunde ebenfalls für den Schutz verantwortlich ist, große Bedeutung erlangen.

Finanzinstitute müssen sich dieses Jahr außerdem intensiver mit Cybersicherheit und den entsprechenden Lösungen befassen und aktiv daran arbeiten, sowohl den Schutz von personenbezogenen Daten der Kunden als auch die Sicherheit ihrer eigenen Systeme zu gewährleisten.

5. Investitionen in künstliche Intelligenz

Eine Einführung von künstlicher Intelligenz, zum Beispiel für sich wiederholende und vorhersehbare Abläufe ist in diesem Jahr weiterhin zu erwarten.

Banken sollten Investitionen in diesem Gebiet tätigen. Da künstliche Intelligenz auch vermehrt in den Fokus von Cyber-Kriminellen rückt, empfiehlt es sich von Beginn an auf eine lückenlose Absicherung der Technologie und Datenlieferketten zu setzen. Gleichzeitig sollten Banken nach zusätzlichen Nutzungsmöglichkeiten für diese fortschreitende Technologie suchen.

KI-Technologie wird beispielsweise bereits eingesetzt, um die Cyber-Sicherheit zu stärken: Laut Capgemini testen bereits drei Viertel aller Unternehmen KI in Anwendungsfällen der Cybersicherheit. Zudem dient KI dazu, Cash-Prognosen zu erstellen oder um zu ermitteln, wann und wo Bargeld benötigt wird.

Prädikative Tools sind zeit- und kosteneffizient. Sie können für die präventive Wartung von Geldautomaten und anderen Geräten eingesetzt werden und damit etwa Service-Einsätze planen, bevor Ausfälle auftreten. Dadurch können Kosten reduziert und Verfügbarkeiten verbessert werden.

Unter anderem könnte KI auch mit Hilfe von Gesichtserkennungs-Software zur Stimmungserfassung von Kunden verwendet werden. Auf Basis dieser Informationen könnten Bankangestellte beurteilen, wie sie den Kunden ansprechen, welche Dienstleistungen sie ihm vorschlagen sollten und zu welchem Zeitpunkt.

Beobachtung von Trends, die sich 2021 abzeichnen

Die Corona Krise hat dazu geführt, dass Banken ihren Kunden ein besseres Bankerlebnis anbieten möchten, indem sie die Qualität ihrer Finanzdienstleistungen steigern.

Trotz der Schließung von Bankfilialen zeigen die zuvor dargestellten Trends für das neue Jahr, dass Banken kontinuierlich auf der Suche nach Wegen sind, um dieses Problem zu lösen.

Hier wurden einige unserer Bankentrends 2021 vorgestellt. Die Branche weiter fest im Blick, beobachten wir die neuesten Trends und brandaktuelle Themen und werden im Laufe des Jahres stets berichten, welche Entwicklungen im Gange sind.

Wir halten Sie auf dem Laufenden!

  •  
  •  
  •  
  •  
  •  

Comments are closed.