IT-FINANZMAGAZIN – Deutsch-Italienisches Inno­va­tions­forum: der Blick auf den italienischen FinTech-Sektor

IT-FINANZMAGAZIN – Deutsch-Italienisches Inno­va­tions­forum: der Blick auf den italienischen FinTech-Sektor

Am 29. November fand das erste Deutsch-Italienische Forum für Inno­vation und Investitionen „Investing in Italian Innovation. Digital Solutions and the challenge of Industry 4.0″ statt, eine Initiative der italienischen Botschaft in Berlin, der ICE und der ITKAM. Mit mehr als 300 Teilnehmern aus Deutschland und Italien wurde darüber diskutiert, wie digitale Transformationsprozesse zur Stärkung der Technologiepartnerschaften und Investitionen zwischen Italien und Deutschland beitragen können.

Die gemeinsame Herausforderung Italiens und Deutschlands besteht nun darin, den Weg von Industrie 4.0 zu Unternehmen 4.0 zu beschreiten: Europaweit etabliert sich die digitale Wirtschaft als entscheidender Faktor auf horizontaler Ebene, der die Grenzen der Automatisierung und Mechanik überschreitet, um andere Fertigungssektoren zu erreichen und zu integrieren.

Im Rahmen der Konferenz wurde unter anderem ein Fokus auf den Bereich Financial Innovation gesetzt, wo FinTechs ein großes Thema waren. IT Finanzmagazin konnte vier der teilnehmenden Unternehmen und Start-ups aus Italien zu innovativen, digitalen Lösungen, Projekten auf dem deutschen Markt und die italienische FinTech-Landschaft befragen.

Herr Galvani, inwieweit ist Moneyfarm innovativ?

Moneyfarm ist eine digitale Vermögensverwaltung. Das bedeutet, dass wir die digitale Innovation nutzen, um Sparern einen Investitions-Service zu bieten, der einfacher, personalisierter und bequemer ist, als jene von klassischen Anbietern gebotenen Leistungen. Wir waren unter den ersten in Europa, die das hybride Modell angewandt haben, bei dem wir aktuell eine Konvergenz der Industrie beobachten können. Hybrides Modell bedeutet für uns, dass die automatisierte Komponente (Robo-Advisors) durch die Beratung von Expertenteams ergänzt wird. Die Verbindung zwischen dem Einsatz innovativer Technologien mit der traditionellen Beratung ermöglicht uns, einem breiten Publikum einen qualitativ hochwertigen und höchst personalisierten Service zu bieten – für die Hälfte des Preises, der für vergleichbare Dienstleistungen erhoben wird. Wir sind ein unabhängiger Berater, was bedeutet, dass wir außerhalb der Interessenkonflikte agieren, die für den Banken-Vertriebskanal typisch sind.

In Italien hat Moneyfarm diverse Spitzenauszeichnungen erhalten. Gibt es Projekte auf dem deutschen Markt?

Abgesehen von seiner Größe und Wichtigkeit ist der deutsche Markt außerdem interessant, weil er gezeigt hat, besonders empfänglich für Innovationen im Wealth Management zu sein. Scalable Capital zum Beispiel hat 2017 sehr interessante Wachstumszahlen registriert, wenn auch mit einem Business-Modell, das sich leicht von unserem unterscheidet.

Wir glauben, dass neben dem traditionellen Bankenkanal und den großen Versicherungsagenturen, die weiterhin eine vorherrschende Rolle einnehmen werden, noch Platz für die Verbreitung von Initiativen mit hohem Innovationsgrad ist.“

Die Grenzen und Herausforderungen des Wealth Managements in Deutschland sind ähnlich wie im Rest Europas: Hohe Kosten, sinkende Margen und wachsamere Kunden, die nach neuen Lösungen verlangen. Dann bleibt noch die Frage nach der veralteten IT-Infrastruktur. Außerdem ist in den letzten Jahren die Kundenbindung der deutschen Sparer zu den großen Marken gesunken und daher glauben wir, dass es Platz gibt für innovative Produkte, deren Vorteile für den Endkunden sofort ersichtlich sind. In diesem Sinne glauben wir, dass unsere Verbindung mit Allianz eine weitere Karte ist, die wir spielen können.

Herr Littera, was ist Sardex?

Sardex.net ist ein 2009 gegründetes Kreditnetzwerk, das KMUs aus Sardinien miteinander vernetzt. Es ist ein zu den traditionellen Märkten komplementärer Markt, auf dem die Nutzer mit einer digitalen Krediteinheit, dem Sardex (1SRD=1EUR), Käufe und Verkäufe tätigen. Die Sardex-Kredite werden von den teilnehmenden Unternehmen auf Grundlage ihrer potenziellen Produktionskapazität (Waren und Dienstleistungen) geschaffen (ohne Zinsen), sie sind nicht umtauschbar und verkehren lediglich digital.

„Ganz kurz zusammengefasst ist Sardex ein antikes Mittel (Nachbarschaftskredit) in einer neuen, durch das Internet ermöglichten Form.“

Wir arbeiten gezielt daran, Sardex’ Iterationen auf technischer und sozialer Ebene noch zugänglicher und skalierbarer zu machen – dank der technischen Möglichkeiten (DLT, AI, ML).

Das Projekt Sardex wurde als eine “Anti-Krisen”-Idee definiert. Welches Potenzial könnte es im Ausland haben?

Da es sich um eine Form der gegenseitigen und nachhaltigen Finanzierung handelt, die auf regionalen Ressourcen und Beziehungen basiert, kann Sardex überall genutzt werden. Momentan konzentrieren wir uns auf Italien und arbeiten daran, das Modell auf eine größere, globale Skala anzupassen.

In diesem Sinne haben uns aus Deutschland und ganz Europa Interessenbekundungen an einer Partnerschaft im Hinblick auf einen internationalen Ausbau der Plattform erreicht.

Herr Fiore, inwiefern sind die Lösungen von Auriga innovativ und wo liegt das Potenzial der Digitalisierung im Angebot von Bankdienstleistungen?

Die Digitalisierung stellt für Finanzdienstleister, sowohl im Bereich des Kundenserviceangebots als auch bei der Kostensenkung, eine absolute Priorität dar. Auf der einen Seite sind Bankkunden nämlich immer technologieaffiner und informierter und somit auch eher als früher dazu bereit, in ihrem Leben mehrfach das Institut zu wechseln. Auf der anderen Seite, vor allem im Fall traditioneller Banken, bedeutet die Digitalisierung der Betriebsprozesse deren Beschleunigung sowie die Kostensenkung. Wenn man von Digitalisierung spricht, sollte man jedoch nicht den Fehler begehen, nur an die Online-Kanäle zu denken:

„Heutzutage müssen Banken eine Omni-Kanal-Strategie verfolgen, bei der sie alle Kanäle modernisieren, die sie ihren Kunden zur Verfügung stellen, und die Technologie dazu genutzt wird, den Kunden in den Mittelpunkt zu stellen.“

Auriga stellt den Instituten mit seiner Software für die Omni-Kanal-Bank Lösungen zur Verfügung, die in der Lage sind, das Kundenerlebnis zu personalisieren – unabhängig davon, welchen Kanal der Kunde nutzt – und die Bankangestellten bei ihren Beratungstätigkeiten zu unterstützen.

Wie wichtig ist Forschung und Entwicklung innerhalb der Unternehmensstrategie? Was macht Auriga in dieser Hinsicht?

Als IT-Unternehmen ist der Bereich Forschung und Entwicklung grundlegend für Auriga, um höchste Innovations- und Qualitätsstandards der Produkte zu garantieren. Dies erfolgt auch durch die Zusammenarbeit mit wichtigen akademischen Einrichtungen wie der Technischen Universität in Mailand und der Universität Bari sowie durch die Mitgliedschaft in den wichtigsten internationalen Verbänden wie ATMIA und Nexo. Dies zeigt das Projekt AURIGA2020, das Investitionen im Wert von insgesamt 16,8 Millionen Euro vorsieht. Es handelt sich um ein Projekt, das von der Region Apulien gemeinsam mit dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung POR Apulien 2014-2020 kofinanziert wird und das das interne Forschungs- und Entwicklungsprojekt beinhaltet, mit dem Ziel, eine “intelligente Softwarefabrik” auf der Grundlage des Paradigmas “Lean Thinking” zu entwickeln.

1992 mit nur 5 Mitarbeitern gestartet, sind wir heute auf 260 herangewachsen, bei einem Durchschnittsalter von 35 Jahren. Mit Mühe und Konstanz haben wir eine Wirklichkeit erschaffen, die den wesentlichen Herausforderungen der Innovation im Bereich der Multi-Kanal-Bank entgegentreten kann, um den Banken aus ganz Europa und ihren Kunden immer innovativere und kundenorientiertere Services zu bieten.

Welches Potenzial hat Mailand im FinTech-Bereich auf europäischer Ebene?

Das italienische Innovationsökosystem wächst endlich kräftig und Mailand arbeitet am Ausbau seiner Kapazitäten, um neue Unternehmen, Start-ups, Firmensitze internationaler Unternehmen und Talente anzulocken. Dank privater Investitionen und vor allem der Unterstützung der Institutionen bietet die Stadt ein günstiges Umfeld für die Entwicklung von FinTechs und verbindet so die lange und konsolidierte Tradition einer der wichtigsten und vorausschauendsten Finanzplätze Europas mit der Bestimmung in Innovation und Digitalisierung zu investieren. Die Entstehung eines Hub wie dem Fintech District unterstützt ferner das Potenzial der Stadt und des Landes und zieht – im Sinne der Open Innovation – Kapital, Arbeitskräfte, Best Practice und unternehmerische Initiativen an, um sie miteinander zu vernetzen.

Gruppo Banca Sella hat das Fintech District in Mailand gefördert. Worum handelst es sich und welches Ziel hat das Projekt?

Das Fintech District soll ein Zugangspunkt zum italienischen FinTech-Ökosystem sein. Es handelt sich um eine Community, die Unternehmen, Start-ups, Untenehmer, Finanzinstitutionen, Investoren und Universitäten vereint, mit dem Ziel, die Entwicklung sowohl der gesamten Branche, als auch der einzelnen Firmen zu fördern.

Dank des Fintech Districts haben die wichtigsten FinTech-Anbieter, die sich in Italien befinden, die Möglichkeit, zusammenzuarbeiten: um die Entstehung industrieller und geschäftlicher Kollaborationen zu unterstützen, neue Investitionen anzuziehen und das eigene Geschäft durch den Austausch von Erfahrungen und Kompetenzen und den Dialog mit Institutionen zu verstärken oder auszubauen. So, wie es bereits in anderen internationalen „Innovation Hubs“,  unter anderem dem Level39 in London und dem Station F in Paris, geschieht. Die Tätigkeiten des Fintech District basieren auf drei Säulen: das Know-How, also die Zusammenlegung der Kenntnisse; die Technologie, also die Verfügbarkeit technologischer Instrumente für die laufende Verwaltung der Geschäfte oder neu zugelassener Business Models; und die Kapitalsuche, durch Einbeziehung von Inkubatoren, Beschleunigern, Business Angels und Venture Capital Fonds, auf nationaler und internationaler Ebene.

 

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