Springer Professional: “Anzahl der Bankfilialen schrumpft weiter”

Springer Professional: “Anzahl der Bankfilialen schrumpft weiter”

Auch 2017 haben Kreditinstitute aus allen drei Säulen die Zahl ihrer Niederlassungen reduziert. Speziell die Geldhäuser aus einem Sektor gehen dabei seit Jahren am konsequentesten vor: die Sparkassen. Der Grund…

Auch 2017 haben Kreditinstitute aus allen drei Säulen die Zahl ihrer Niederlassungen reduziert. Speziell die Geldhäuser aus einem Sektor gehen dabei seit Jahren am konsequentesten vor: die Sparkassen. Der Grund sind vor allem hohe Kosten.

2017 hat sich die Gesamtzahl der Kreditinstitute in Deutschland um 3,4 Prozent auf 1.823 weiter reduziert, gegenüber einem Minus von 3,7 Prozent im Vorjahr. Das hat die Bundesbank in ihrer am 17. Mai veröffentlichten Bankstellenstatistik herausgefunden. Im Jahr 2017 kamen insgesamt 19 Kreditinstitute neu dazu und 84 wurden geschlossen. Die Zahl der Kreditbanken nahm 2017 um neun auf 390 Institute zu. 57 der insgesamt 84 Abgänge basieren auf Fusionen im genossenschaftlichen Sektor. Die Zahl der Institute des Genossenschaftsbereichs sank damit 2017 um 5,8 Prozent auf 919 Institute. Im Sparkassensektor verschmolzen laut der Bundesbank-Statistik 13 Sparkassen sowie eine Landesbank mit jeweils einem anderen Institut aus ihrer Säule. Ende 2017 gab es in Deutschland 390 Sparkassen und acht Landesbanken.

Sparkassen bauen am meisten ab

Auch für zahlreiche Filialen hat im Jahr 2017 die letzte Stunde geschlagen. Deren Anzahl verringerte sich nämlich laut Angaben der Bundesbank um 1.900 beziehungsweise 5,9 Prozent auf 30.126, nach einem ähnlich hohen Abbau von 2.019 Zweigstellen im Vorjahr. Als Zweigstelle bezeichnet die Behörde dabei klassische Filialen sowie Selbstbedienungsterminals mit Beratungsmöglichkeit. Am radikalsten haben die Sparkassen ihre Filialen von 2016 auf 2017 reduziert, nämlich um 765 auf nun 10.174. Damit unterhalten sie allerdings weiterhin knapp ein Drittel aller Filialen in Deutschland. Genossenschaftliche Filialen gab es Ende 2017 noch 9.455, ein Minus von 714. Kreditbanken verringerten ihre Zweigstellen etwas weniger stark um 402 auf 9.042 Filialen.

Diese Entwicklung ist nicht neu. Beim Vergleich der Filialzahlen der vergangenen fünf Jahren zeigt sich, dass die Sparkassen vom Jahr 2013 auf 2017 ihre Filialen um knapp 20 Prozent beziehungsweise 2,583 am stärksten dezimiert haben, knapp dahinter die genossenschaftlichen Institute mit einem Minus von 18 Prozent und einem Abbau von 2,097 Niederlassungen im gleichen Zeitraum.

Filialschließungen im Fünf-Jahres-Vergleich

Aktuell plant beispielsweise auch die Deutsche Bank laut Angaben von „Reuters“ bis Ende des Jahres jede zehnte ihrer rund 1.000 Postbank-Filialen zu schließen. Oliver Mihm, CEO der Managementberatung Investors Marketing, ist gegenüber Springer Professional der Meinung, dass sich diese Entwicklung branchenweit fortsetzen wird. Er rechnet mit einem Rückgang der Filialen aller drei Säulen bis zum Jahr 2025 auf nur noch 20.000. Der Grund dafür: „Nicht nur die Regionalbanken müssen massiv Kosten sparen, um das einbrechende Zinsergebnis auszugleichen und gleichzeitig die digitalen Kanäle auszubauen. Auch bei den Großbanken, die in den letzten Jahren weniger Filialen abgebaut haben, werden weitere Standorte wegfallen.“

Filialen sind weiterhin wichtig

Dennoch sind Filialen aus Mihms Sicht immer noch wichtig für Markenbekanntheit, Neukundengewinnung und Beratung. Dennoch müssen es „die filialgestützten Institute müssen es schaffen, ein überzeugendes Kundenerlebnis zu bieten, das sich nicht mehr nur um die Filiale und den Berater dreht“, so Mihm weiter. Das sieht auch Vincenzo Fiore, Mitgründer und Chef von Auriga, im Interview „Die Bankfiliale ist nach wie vor wichtig für die Kundenbindung“ (Seite 42) in der April-Ausgabe des Bankmagazin ähnlich: „Es wäre ein Fehler, Geschäftsstellen nur als Kostenfaktor zu sehen“. Die Bankfiliale ist aus Fiores Sicht „nach wie vor wichtig für die Kundenbindung, trotz vermehrter Schließungen“. So werde in die verbleibenden Standorte investiert, um sie smarter und attraktiver für die Kunden zu gestalten.

 

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